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Korsakoff-Potenzierung

Korsakoff-Potenzierung
K-Gesamtanlage.jpg

In Rußland wurde zur Zeit Hahnemanns wegen Ärztemangels die medizinische Versorgung am Land häufig von Großgrundbesitzern übernommen, die ihre Bauern und Leibeigenen selbst behandelten. Einer dieser Großgrundbesitzer war Graf Simeon Nicola­jewitsch v. Korsakoff (1788-1853), der nahe Moskau lebte und sich für Homöopathie interessierte. E. Stapf beschrieb ihn als einen

"Landedelmann, der, mit wahrem Feuerei­fer, ohne Arzt von Profession zu sein, sich in das Feld der Homöopathik einarbeitend, auf dem Lande, wo er wohnt, bereits unendlich viel Gutes gestiftet hat" (129).

Korsakoff experimentierte mit verschiedenen Potenzierungsmethoden, um die materialaufwendige Centesimalpotenzierung Hahnemanns zu vereinfachen. Dabei entwickelte er 1831 die Methode der Einglaspotenzierung, die einige Jahre zuvor auch schon von C. Hering erprobt worden war (29). In Stapf's Archiv berichtete er dar­über (100):

"Bei Gelegenheit einer Reihe von Versuchen... überzeugte ich mich bald, dass ich, um hundertfache Verdün­nungen (divisions centiemes) darzustellen, eine ungeheure Menge Gläser, Korken und dergleichen nötig haben würde, und wurde dadurch veranlasst, ein leichteres und ökonomischeres Verfahren zu suchen. Ich bin dabei auf den Gedanken gekommen, ein und dasselbe Glas viele male zu demselben Zweck zu benutzen, und zwar so, dass der Inhalt des Glases (erste Verdünnung 1/100) weggeschüttet, das Glas so ausgeschwenkt wurde, dass nur ein Tropfen darin bleibe, wozu dann neue Verdünnungsflüssigkeit (99 Tropfen) geschüttet, und so fort, bis zum beliebigen Verdünnungsgrade verfahren werde. Die Erfahrung lehrt, dass, trotz alles Ausschwenkens eines, mit einer Arzneiflüssigkeit gefüllten Glases, an den Wänden desselben davon so viel hängen bleibt, dass es vollkommen hinreichend ist, der hinzukommenden Verdünnungsflüssigkeit die arzneilichen Eigenschaften mitzuteilen."


Korsakoff führte die Potenzierungen 1-29 mit Wasser aus, erst für die 30. Potenz verwendete er Äthanol. Bei den späteren, höheren Potenzierungen benutzte er Schneewas­ser für die ersten tausend Verdünnungen und Quellwasser für die folgenden Potenzschritte (5). Damit erzeugte er Arzneimittel bis zur 1500. Potenz. Zuvor hatte er durch genaue Wägung ermittelt, dass nach Ausleeren des Potenzierglases durch einen heftigen, abwärts geführten Schlag in diesem 1 Gran (= 60 mg, = ca. 1 Tropfen) Flüssigkeit enthalten bleibt. Wird das geleerte Glas neuerlich mit 6 ml Wasser gefüllt, so ergibt sich daher ein Potenzie­rungsverhältnis von 1:100. Hiefür benutzte er ein zylindrisches Glasgefäß von ca. 15 ml In­halt (lh Unze), mit dem er wie folgt potenzierte:

  1. Ein Potenzierglas wird mit 100 Tropfen Wasser befüllt und 1 Tropfen der zu potenzierenden Flüssigkeit zugefügt.
  2. Das Glas wird mit dem Finger verschlossen und zwei mal stark geschüttelt.
  3. Diese 1:100 Verdünnung wird in ein zweites Glas gegossen (das eigentliche Potenzierglas) und danach durcheinen heftigen, abwärts geführten Armschlag entleert. Darin zurück bleibt 1 Tropfen der 1. Verdünnung (1/100).
  4. Nach Zufügung von 6ml Wasser (Markierung an der Gefäßwand) wird das Glas wieder mit dem Finger verschlossen, mit zwei starken Schüttelschlägen potenziert und durch einen heftigen, abwärts geführten Armschlag entleert. Darin zurück bleibt 1 Tropfen der 2. Verdünnung 0/10000).
  5. Ebenso wird bis zur 29. Verdünnung verfahren, wonach das geleerte Glas nicht mit Wasser, sondern mit 100 Tropfen Alkohol befüllt und durch zwei Schüttelschläge potenziert wird. Die so erhaltene Korsakoff-Potenz C30K wird verschlossen und etikettiert.

(Aus Korsakoffs Originalarbeit in Stapf's Archiv. Gekürzte Textfassung durch den Autor.)

 

Mit diesem Verfahren hatte Korsakoff eine sehr rationelle Potenzierungsmethode entwickelt, über die er zu Recht schrieb (100):

"Dieses ganze, höchst einfache Verfahren dauert höchstens 10 Minuten und kostet, wie man sieht, nur ein Glas Wasser und 100 Tropfen Alkohol, um die dreißigste Potenzierung darzustellen."

 

Verbreitung der Korsakoff-Potenzen

Während ein Teil der damaligen Homöopathen Korsakoffs neue Methode bekämpfte, wurde sie von namhaften Vertretern der Homöopathie eifrig verteidigt, worüber A. Rap 0 1847 ausführlich berichtete (118). Demnach untersuchten J. Aegidi, C.M.F. v. Bönninghausen, G.W. Gross, E. Stapf und F. Rummel diese neuen Präparate und erzielten damit sehr zufriedenstellende Resultate. Sie konnten dabei nicht nur ihre Wirksamkeit bestätigen, sondern auch feststellen, daß diese alle bisherigen Präparate übertraf (3).

Ungefähr zur selben Zeit wandte sich C. Hering in Südamerika ein ähnliches Verdün­nungssystem an. Auch er potenzierte wie Korsakoff bis zur letzten Verdünnung mit Wasser (31).


In Frankreich untersuchte Perry 1846 als einer der ersten diese neue Potenzierungsmethode  (16). Er ging dabei von einem Tropfen der C30 aus und modifizierte die Angaben Korsakoffs, indem er statt mit Wasser mit 20% Äthanol weiterpotenzierte.

1853 entschied sich G.H.G. Jahr ebenfalls für das Einglasverfahren (88):

"Wenn man nicht alle Verdünnungen behalten muß, ... wäre es unnütz, jedesmal mehr Fläschchen als nötig zu opfern ... Wenn man nur die 30. Verdünnung einer Substanz haben will, kann man bei allen Zwischenstufen die vorhergehende bis auf den letzten Tropfen wegwerfen und das Fläschchen wieder neu mit 100 Tropfen Alkohol füllen."

Auch B. Mure empfahl das Korsakoff'sche Verfahren, indem er von 1 Globuli C6 ausging und daraus mit Wasser und Verschüttelung durch jeweils 100 Schüttelschläge Arz­neimittel bis über den 100. Potenzgrad erzeugte (08).

G. Charette berichtete 1982 ebenfalls über die Anwendung und verlässliche Wirksamkeit der Korsakoff'schen Potenzen (4):

"Es darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass zahlreiche französische homöopathische Ärzte - z.B. Dr. Pierre Schmidt (Lausanne), Dr. Paul Chavanon (Paris) - die nach der Korsakoff'schen Einglasmethode hergestellten Potenzen nach ihren Erfahrungen für kräftiger und dauerhafter in ihrer Wirkung hielten als die nach der Hahnemannschen Mehrglasmethode hergestellten Potenzen."

 

Heutige Anwendung von Korsakoff-Potenzen

Die Verwendung von Korsakoff-Potenzen erfreut sich zunehmender Beliebtheit 051, 158). Im HAB ist dieses Verfahren jedoch noch nicht enthalten.

 

Aus: Homöopathische Arzneimittel, Dr. Friedrich Dellmour, ÖGHM, 1. Auflage, 1992